Mechthild Karkow (Leipzig)

Mechthild Karkow, von 2013 bis 2019 Professorin für Barockvioline an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig, entwickelte schon während ihres Violinstudiums an den Musikhochschulen Lübeck, Zürich, Hannover, Frankfurt und Basel eine intensive Konzertkarriere. 

Ihre Ausbildung erhielt Mechthild Karkow zunächst an den Musikhochschulen Lübeck und Winterthur/Zürich bei Nora Chastain sowie in Hannover bei Ulf Schneider, wo sie 2005 ihr künstlerisches Diplom Violine mit Auszeichnung erlangte. Seit 2002 beschäftigt sich Mechthild Karkow intensiv mit historischer Aufführungspraxis. Sie erhielt Unterricht u.a. bei John Holloway, Simon Standage und Anton Steck. 2006 entschied sie sich, Barockvioline zu einem Schwerpunkt zu machen. Es folgten Studien und Konzertexamen bei Petra Müllejans an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt sowie bei Chiara Banchini an der Schola Cantorum Basiliensis, wo sie im Juni 2010 ihren Master of Arts mit Auszeichnung abschloss und anschließend ein Masterstudium in Historischer Improvisation bei Rudolf Lutz und Emmanuel Le Divellec absolvierte. Sie ist Stipendiatin der Yehudi Menuhin Stiftung „LiveMusicNow“, Gewinnerin des Internationalen Wettbewerbes für Barockvioline „Bonporti 2007“ in Rovereto, Italien, und erhielt einen Sonderpreis beim „Internationalen Bach-Wettbewerb Leipzig 2010“. 

Mechthild Karkow konzertiert international als Solistin, Konzertmeisterin und Kammermusikerin in verschiedenen Ensembles, wirkt bei Rundfunk- und CD-Aufnahmen mit und tritt bei renommierten Festivals auf wie dem Festival Alte Musik Zürich, Schleswig Holstein Musikfestival, Festival Seviqc Brežice, Festival International Echternach, York Early Music Festival, den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen und Halle.  Sie arbeitet mit namhaften Musikern wie Christophe Coin, Andrea Marcon, Mark Minkowski und Nikolaus Harnoncourt zusammen und wirkt in Orchestern mit wie dem Orchestra of the Age of Enlightenment, Orchester der Oper Zürich, Kammerorchester Basel, La Cetra, European Brandenburg Ensemble, European Union Baroque Orchestra und dem Freiburger Barockorchester.

Zusätzlich unterrichtet Mechthild Karkow seit 2015 Barockvioline an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main. 

Kopenhagen Anno 1634: Der Geigenwettstreit

Zur Hochzeit des dänischen Kronprinzen reiste der deutsche Geigenvirtuose Johann Schop in Begleitung von Heinrich Schütz, und traf am Rande der Feierlichkeiten dort mit dem französischen Geiger Jacques Foucart im musikalischen Wettstreit zusammen. Die Geiger Mechthild Karkow und Matthieu Camilleri sowie der Organist Jan Katzschke schlüpfen in die Rollen der drei historischen Musikerpersönlichkeiten und werden dieses Ereignis re-inszenieren.

Freitag, 20. September – 19:30

Alte Börse

Eintritt 15 € / ermäßig 10 €

Venezia Anno 1610: Abschlusskonzert

Der venezianische Organist Giovanni Gabrieli und der florentinische Sänger und Lautenist Giulio Caccini haben sich wahrscheinlich nie getroffen. Aber wie die beiden sich wohl musikalisch begegnen hätten können – das improvisieren Sietze de Vries an der Silbermannorgel und der sich selbst auf der Laute begleitende Sänger Sven Schwannberger. Liturgische und weltliche Musik werden sich dabei abwechseln.

Sonntag, 22. September – 17:00

Grassimuseum, Zimeliensaal

Eintritt 15 € / ermäßig 10 €

Michael Spiecker (Leipzig)

Michael Spiecker studierte Violine in München, Dresden und Birmingham und Barockvioline in Leipzig. Seit 2007 wirkte er in verschiedenen deutschen Orchestern wie den Nürnberger Symphonikern und den Sächsischen Landesbühnen. Er gründete das Barockensemble „Les Matelots“, das sich die Wiederbelebung der barocken Improvisationskultur zum Ziel gesetzt hat. 2014 erschien die erste CD dieses Ensembles mit Tänzen aus dem frühen 18. Jahrhundert. Kammermusikalische Projekte führten den Geiger in viele Länder Europas und nach Israel. Als Musiker im Trio Zeitsprung verbindet er seine Vergangenheit als studierter protestantischer Theologe mit seinem heutigen künstlerischen Beruf. Er unterrichtet Violine an verschiedenen Musikschulen und gab Kurse für historische Improvisation für die Jugendmusiziergruppe „Michael Praetorius“ Leipzig und beim Leipziger Improvisationsfestival. Seit 2018 leitet er die Musikschule Schwabach.

Mareike Greb (Leipzig)

Die Tänzerin und Schauspielerin mit Schwerpunkt auf „Historischer Aufführungspraxis“ begann sich bereits mit 16 Jahren nach einer Ballettausbildung am Theater der historischen Tanzkunst zu widmen und lernte neben ihrer Mitgliedschaft im Ensemble Tourdion (Saarland) bei Lieven Baert, Véronique Daniels, Markus Lehner, Barbara Sparti, Kaj Sylegard u. A. Sie leitet mehrere Ensembles, wie die Erfurter Tanzgilde und die Torgauer Renaissancetänzer, ist selbst Mitglied des Ensemble Les Apricots und ist solo und in verschiedenen Besetzungen mit Kursen und Auftritten international unterwegs, u. a. ist sie Leiterin der Abteilung Musiktheater an der Musikschule Merzig und Dozentin beim Wittenberger Renaissancemusikfestival.

In ihrem Studium der Theaterwissenschaften, Musikwissenschaften und Komparatistik an der Universität Leipzig beschäftigte sie sich auch wissenschaftlich intensiv mit den Tänzen und dem Theater in Mittelalter, Renaissance und Frühbarock und veröffentlichte 2008 eine Arbeit zur Tanzanthropologie „Die Gaillarde und ihr Erbe“.

Bernd Niedecken (Freiburg)

Bernd Niedecken studierte klassischen und modernen Tanz in Freiburg und Straßburg. Er arbeitete als Tänzer am Freiburger Stadttheater und in verschiedenen freien Kompanien. Seit 1988 beschäftigt er sich mit historischem Tanz, seine wichtigsten Lehrer waren Andrea Francalanci und Béatrice Massin. 1993 gründete er zusammen mit seiner Frau, der Musikerin Antje Niedecken, das Erato Ensemble, das mit seinen Produktionen auf zahlreichen Barockfestivals gastierte. Bernd Niedecken arbeitet darüber hinaus mit Kompanien für historischen Tanz wie beispielsweise L´Eventail und Fêtes Galantes (Frankreich), Passo Continuo (Italien) und RenaiDance (Schweiz) zusammen. 

Sven Schwannberger (Graz/Berlin/Basel)

Sven Schwannberger zählt zu den weltweit sehr wenigen Spezialisten für selbstbegleiteten Sologesang des 16. und 17. Jahrhunderts. Seit vielen Jahren forscht er an den Quellen zu alter Gesangskunst und frühem Generalbass auf Lauten und Chitarroni. Er schätzt sich glücklich, diese beiden Fähigkeiten in der Praxis zusammenführen zu können: sein Repertoire umfasst das ganze Spektrum von Lautenlied, Barockoper, frühem Oratorium und insbesondere der italienischen Monodie.   Er erhielt seine Ausbildung in München, Kassel und an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel. Seinen Lehrern schuldet er großen Dank – zentral für sein Vorgehen und seine Entwicklung war ihm jedoch immer auch sein eigenes Studium der historischen Spiel- und Singetechniken (insbesondere des zierlichen, ausschließlich in der Kehle kontrollierten Singens), aber auch ganz allgemein der Kunst, Kultur und Poesie der Zeit. Sven Schwannbergers internationale Konzerttätigkeit und zunehmend intensive Lehr- und Forschungstätigkeit ergänzen und befruchten einander. Seine Promotion besteht aus einer Grundlagen-Arbeit über den Gebrauch von Stimme und Manier im 17. Jahrhundert und er lehrt Improvisation, Verzierung und historische Aufführungspraxis an der Schola Cantorum Basiliensis. 

Matthieu Camilleri (Paris)

Der Violinist Matthieu Camilleri, Jahrgang 1980, studierte in Aix-en-Provence, Basel (Chiara Banchini) und Paris (François Fernandez). Er spielt in Ensembles wie La Cetra, le Parlement de Musique (Martin Gester), le Concert Spirituel (Hervé Niquet), la Petite Bande (Sigiswald Kuijken) les Arts Florissants (William Christie) und le Concert d’Astrée (Emmanuelle Haim).

Beim Organisten Rudolf Lutz an der Schola Cantorum in Basel spezialisierte er sich auf Improvisation; mehrere Impro-Rezitale mit Nicola Cumer, Dirk Börner (Cembalo) oder Annabelle Blanc (Tanz) auf Festivals in Frankreich und der Schweiz zeugen davon (Festival des musiques improvisées, Lausanne, Festival de Lanvellec, Eglise Saint-Merry, Paris).

Er unterrichtet Improvisation in verschiedenen Kursen, u. A. beim Festival des musiques improvisées Lausanne, an der Schola Cantorum Basiliensis und an der Royal Academy of Music London.

Jan Katzschke (Hannover/Dresden)

Jan Katzschke wurde 1972 im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge geboren. Sein Kirchenmusik- und Cembalostudium absolvierte er in Hannover bei Lajos Rovatkay, Hans Christoph Becker-Foss und Heinz Hennig. Bereits vor und während des Studiums war er vielfältig musikalisch aktiv, so etwa als Kammermusiker, als Probenassistent beim Knabenchor Hannover, als Organist der Pauluskirche Hannover und als Leiter eines Oratorienchores. Anschließend arbeitete er zunächst als Kantor im Erzgebirge; 2001 kam dort die von ihm initiierte Restaurierung der historischen Oehme-Orgel Zethau zum Abschluß. Seit 1997 war er freischaffend im sächsischen Freiberg, ab 2002 im Südschwarzwald und seit 2005 in Dresden ansässig. Nach reichhaltigen Erfahrungen als Chor- und Orchesterdirigent sowie als Continuospieler diverser Ensembles für Alte Musik konzentrierte er sich, unterstützt durch private Cembalostudien bei Robert Hill, mehr und mehr auf seine solistische Laufbahn. Gleich seine 2004 eingespielte Debut-CD mit Cembalomusik von Matthias Weckmann (cpo) erhielt den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“, die nachfolgende CD mit den „Frischen Clavierfrüchten“ von Johann Kuhnau (ebenfalls cpo) errang in Frankreich die Auszeichnung „5 Diapason“. Ihr folgten weitere, international beachtete Einspielungen mit Orgel- und Cembalowerken sächsischer Komponisten (Haßler, Bach, Naumann) sowie Einladungen zu bedeutenden Konzertreihen in Europa, darunter ein Solorecital beim Festival Oude Muziek Utrecht 2008. Der lettische Komponist Rihards Dubra (geb. 1964) widmete ihm mehrere Werke.

2005-2017 war er schwerpunktmäßig Kantor der Diakonissenhauskirche Dresden und dirigierte hier monatliche Bach-Kantaten, zahlreiche Oratorien sowie ein breit gefächertes a-cappella-Repertoire. 2007/08 leitete er zusätzlich den Freiberger Domchor. In seiner niedersächsischen Heimat gründete er jüngst den Kammerchor Neustädter Land, mit dem er u.a. weiterhin Bach-Kantaten in der Klosterkirche Mariensee realisiert; mit seinem Dresdner Ensemble Corona harmonicawidmet er sich dem unerschöpflichen Fundus sächsischer Kirchenmusik der Heinrich-Schütz-Zeit.

Im Mittelpunkt steht für ihn jedoch die Beschäftigung mit dem Werk J.S. Bachs. Auf der kontinuierlichen Suche nach dem Geheimnis des Klanges steht er zudem in engem Austausch mit Instrumentenbauern. Seit 2009 unterrichtet er im Fach Orgel an der Hochschule für Kirchenmusik Dresden und seit 2006 ist er Präsidiumsmitglied der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft Freiberg, 2011-2014 als deren Vizepräsident. 2015 gründete er das Freiberger Clavier-Forum zur Erforschung und Vermittlung historischer Tasteninstrumente; im September 2017 war er Jurymitglied des Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbes. Beiträge zu Fachpublikationen und Konzeptionen musikhistorischer Ausstellungen begleiten diese Arbeit.

Eine weitere Leidenschaft gilt der Improvisation, auch in Korrespondenz mit anderen Kunstformen; unverzichtbar ist ihm das regelmäßige gottesdienstliche Orgelspiel.

Niels Berentsen

ist Sänger, Musikforscher und Pädagoge, Leiter des Ensemble Diskantores. Er unterrichtet seit 2011 Theorie und Aufführungspraxis der Musik des Mittelalters und der Renaissance am Königlichen Konservatorium in Den Haag, sowie seit 2018 improvisierten Kontrapunkt an der Haute Ecole de Musique in Genf. Als Forscher hat er sich mit Techniken der polyphonen Improvisation in der Epoche von 1300 bis 1500 beschäftigt. Dafür erhielt er 2017 seinen PhD an der Universität Leiden. Als Gastdozent für polyphone Improvisation reiste er nach Moskau, Tel-Aviv, Amsterdam, Kecskemét und Leuven.