Anno 1400: Tanzkonzert „Chominiciamento di gioia“

Donnerstag, 21. September

2000

historischer Speisesaal im Hauptbahnhof

Eintritt 15 / 10 €

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Istanpitte und andere Tanzmusik des Mittelalters, improvisiert und rekonstruiert

Mareike Greb (D) - Tanz
Simon Flamm (D) - Jonglage
Christophe Deslignes (F) - Organetto, Tanz
Marco Ambrosini (I) - Schlüsselfidel
Martin Erhardt (D) - Organetto, Blockflöte

Wie wurde im Mittelalter getanzt? Diese Frage ist für uns heute sehr schwer zu beantworten, denn die ältesten schriftlich überlieferten Schrittbeschreibungen und Choreografien stammen erst aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Aber: DASS der Mensch tanzen kann, seit er laufen kann, mag niemand bestreiten

.

Wie klang die Tanzmusik des Mittelalters? Nun, das ist vielleicht ein wenig leichter zu beantworten, aber auch nur ein wenig. Generell wurde vor 1450 bereits reichlich Musik aufgeschrieben, aber leider fast nie Tanzmusik. Denn häufig konnten die Instrumentalisten, die damals zum Tanz aufspielten, selber gar keine Noten lesen. Sie hatten es auch gar nicht nötig, denn sie bestritten mit einer Kombination aus einem gut trainierten Gedächtnis und einer ordentlichen Prise Improvisationstalent höchst erfolgreich ihr gesamtes Musikerleben.

Sie hören in diesem Konzert also Improvisationen und Rekonstruktionsversuche, die spekulativ bleiben und gerade deswegen künstlerisch spannend sind. Dabei formen sich verschiedene Experten und Virtuosen ihres Fachs zu einem in dieser Formation noch nie dagewesenen Ensemble. Zwei Organetti, Schlüsselfidel und Blockflöte inspirieren und lassen sich inspirieren durch Tanz und Jonglage. Ein Spektakel für alle Sinne!

Mareike Greb (Leipzig)

Mareike Greb
Mareike Greb

Die Tänzerin und Schauspielerin mit Schwerpunkt auf „Historischer Aufführungspraxis“ begann sich bereits mit 16 Jahren nach einer Ballettausbildung am Theater der historischen Tanzkunst zu widmen und lernte neben ihrer Mitgliedschaft im Ensemble Tourdion (Saarland) bei Lieven Baert, Véronique Daniels, Markus Lehner, Barbara Sparti, Kaj Sylegard u. A.

Sie leitet mehrere Ensembles, wie die Erfurter Tanzgilde und die Torgauer Renaissancetänzer, ist selbst Mitglied des Ensemble Les Apricots und ist solo und in verschiedenen Besetzungen mit Kursen und Auftritten international unterwegs, u. a. ist sie Leiterin der Abteilung Musiktheater an der Musikschule Merzig und Dozentin beim Wittenberger Renaissancemusikfestival.

In ihrem Studium der Theaterwissenschaften, Musikwissenschaften und Komparatistik an der Universität Leipzig beschäftigte sie sich auch wissenschaftlich intensiv mit den Tänzen und dem Theater in Mittelalter, Renaissance und Frühbarock und veröffentlichte 2008 eine Arbeit zur Tanzanthropologie „Die Gaillarde und ihr Erbe“.

 

Simon Flamm

Simon Flamm
Simon Flamm

Simon Flamm, ist seit fast 30 Jahren mit dem Duett Complett auf allen Bühnen Europas zuhause. Dort arbeitet er als Jongleur, Akrobat und Gitarrist mit seinem langjährigen Partner. Dabei bieten sie ein Programm mit einer Mischung aus Artistik und Musik. Seine Ausbildung hat er teilweise an der renommierten, französischen Zirkusschule in Chalons sur Champagne absolviert. Neben seiner Tätigkeit als Artist betreut Simon Flamm noch zwei Kinder- und Jugendzirkusse in der Nähe von Freiburg.

 

Christophe Deslignes (Bretagne)

Christophe Deslignes (Bretagne)
Christophe Deslignes (Bretagne)

Christophe Deslignes gilt seit 25 Jahren als Spezialist für Portativ/Organetto. Seine Studien absolvierte er an der Schola Cantorum Basiliensis, wo er neben dem Organetto auch mittelalterlichen Tanz bei Véronique Daniels, Andrea Francalanci und Erika Schneiter lernte. Er hatte Anteil am internationalen Erfolg des Ensembles Mala Punica als dessen Mitglied von 1992 bis 1998. Er ist Mitbegründer von Millenarium, mit dem 6 Alben für das Label Ricercar entstanden. Er unterrichtet Organetto, mittelalterliche Orgel, Blockflöte, Ensemblemusik, mittelalterlichen Tanz und Improvisation an der Fondation Royaumont, an den Conservatoires in Toulouse, Belfort und Lyon.

 

Martin Erhardt (Halle/Leipzig)

Martin Erhardt (Halle/Leipzig)
Martin Erhardt (Halle/Leipzig)

Martin Erhardt widmet sich gleichermaßen Kunst und Pädagogik, Theorie und Praxis, Improvisation, Komposition und Interpretation in Mittelalter, Renaissance und Barock. Er studierte Blockflöte, Cembalo und Musiktheorie in Weimar sowie Frühe Modale Musik in Tilburg (NL). Seit 2006 unterrichtet er Musiktheorie und historische Improvisation an der Weimarer Musikhochschule sowie Blockflöte am Konservatorium in Halle, und seit 2009 ergänzt ein Lehrauftrag für historische Improvisation an der Leipziger Musikhochschule seine pädagogische Tätigkeit. Workshops leitete er u. A. in Frankfurt, Lyon (F), Bergen (N), Prag (CZ) und Cosenza (I).

Als Blockflötist, Cembalist, Portativspieler, Sänger, Organist und Gambist musiziert er u. A. in den Ensembles Nusmido, all’improvviso, Cantus Modalis, Fala Musica, Schola Stralsundensis. 2005 initiierte er mit den AlteMusik-JamSessions eine Szene für improvisierte Alte Musik. Er ist der Leiter des Leipziger Improvisationsfestivals und Autor des Lehrbuchs »Improvisation mit Ostinatobässen«.

 

Marco Ambrosini (Hatzfeld)

Marco Ambrosini
Marco Ambrosini

Marco Ambrosini (Jahrgang 1964) studierte Violine und Komposition. Seit 1983 spielt er Nyckelharpa als einer der ersten hauptberuflichen Musiker seit der Barockzeit außerhalb Schwedens. Marco Ambrosini arbeitet als Komponist, Solist und als Mitglied verschiedener Ensembles für Alte Musik, Barockmusik und Zeitgenössische Musik, unter anderem des Studio Katharco und Ensemble Oni Wytars, das er 1983 zusammen mit Peter Rabanser gründetet. 1993 wurde er vom SWF zum Jazz-Newcomer gekürt. 1994 spielte er Barock-Konzerte für die Moskauer Philharmonie als Nyckelharpasolist mit dem Ensemble LAD. Konzerte und Tourneen führten ihn in mehr als 25 Staaten. Seine Diskographie enthält über 110 CDs.

 

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